Wien, 11. Dezember 2006 Download Text Download Foto
Mengen am Teller, aber Mängel in der Ernährung. Dieser scheinbare Widerspruch ist ein Zeichen unserer Zeit und der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung. Das Angebot an Nahrungsmitteln wird immer größer, widersprüchliche Ernährungsempfehlungen verunsichern. Gesundheitliche Risiken und volkswirtschaftliche Kosten von ungünstiger Ernährung steigen, während ernährungsrelevante Kompetenzen vieler Menschen sinken. Besonders betroffen sind sozial schlechter gestellte Bevölkerungsgruppen und junge Leute. Vor diesem Hintergrund ist Essen und alles was damit zusammenhängt, ein höchst „bildungswürdiges" Thema geworden, das nicht nur in der Schule, sondern auch in der Erwachsenenbildung einen angemessenen Platz einnehmen muss. Das ist das primäre Ziel des Socrates-Projekts „Food Literacy" (nur unzulänglich mit „Ernährungsbildung" zu übersetzen).
| In der internationalen Bildungsdebatte wird „Literacy" zunehmend als Begriff verwendet, der weit über seine ursprüngliche Bedeutung (Lese- und Schreibfähigkeit) hinausgeht. Mittlerweile bezeichnet etwa „functional literacy" ein Bündel von fachlichen und sozialen Kompetenzen, die Menschen benötigen, um ihr Leben in der Gemeinschaft gleichberechtigt, aktiv und verantwortlich gestalten zu können. In diesem Umfeld soll Food Literacy als Begriff und Bildungsinhalt verankert werden, als „die Fähigkeit, den Ernährungsalltag selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und genussvoll zu gestalten. |
Durch die Integration von Food Literacy als Querschnittsthema in bestehende Angebote der Erwachsenenbildung und -beratung können die Zielgruppen besser angesprochen werden. Dabei geht es keineswegs darum, Menschen dazu zu bringen, sich an vorgegebene Ernährungsempfehlungen oder gar Rezepte zu halten. Sowohl inhaltlich als auch didaktisch wird eine neue Perspektive vorgeschlagen: weg von der Belehrung, hin zu Selbstbestimmung und Empowerment. Der Alltag - auch der Ernährungsalltag! - muss bewältigt werden: Berufliche Anforderungen lassen immer weniger Zeit für die Versorgungsarbeit in der Küche, gleichzeitig steigen die Ansprüche an gesundes, schmackhaftes Essen.
In diesem Sinne steht Food Literacy
Ziele und Anliegen
Das Projekt ist ein Beitrag zu einer Ernährungskultur, die auf Nachhaltigkeit und individuelle Selbstbestimmung setzt.
Produkte und Ergebnisse
Die intensive inhaltliche Arbeit ist mittlerweile abgeschlossen, die Ergebnisse stehen zum Download auf der Homepage www.food-literacy.org zur Verfügung. Neben der Philosophie von Food Literacy werden ausführliche Hintergrundinformationen geboten, praxisbezogene Empfehlungen für Bildungsinstitutionen und TrainerInnen sowie eine Methodensammlung, die in Seminaren, Kursen und Beratungen eingesetzt werden kann.
Im Jahr 2007 sind in allen beteiligten Partnerländern Workshops für MultiplikatorInnen in der Erwachsenenbildung und -beratung sowie weitere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit geplant, um Food Literacy zu einem Thema in der Erwachsenenbildung Europas zu machen.
Daten und Fakten zum Projekt Das Projekt „Food Literacy - ein neues horizontales Thema in der Erwachsenenbildung und -beratung" wird durch das Programm SOCRATES-GRUNDTVIG der Europäischen Kommission gefördert. Das Projekt startete im Oktober 2004 und läuft bis September 2007. Zwölf Institutionen aus acht europäischen Ländern arbeiten dabei zusammen: Die Projektkoordination liegt beim österreichischen Weiterbildungsinstitut BEST - Institut für berufsbezogene Weiterbildung und Personaltraining GmbH. Weitere Partner aus dem Bereich der Erwachsenenbildung kommen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Lettland, Ungarn, Slowenien und Italien. Kontaktadresse und Informationen: www.food-literacy.org |
Foto: Kurt Prinz
Zur kostenlosen Verwendung im Zusammenhang mit Berichterstattung zum Projekt Food Literacy.
"Das österreichische Food-Literacy-Projektteam: Silvia Danninger, Wolfgang Eisenreich, Sonja Schnögl, Helmut Kronika, Rosemarie Zehetgruber"
Für Rückfragen:
Dr. Sonja Schnögl
sonja.schnoegl (at) gmx.at oder 0676 330 79 69